
Computertomographie (CT) bei wachen Tieren – ist das möglich und sinnvoll?
Die Computertomographie (CT) ist eine moderne bildgebende Untersuchungsmethode, die sehr detaillierte Bilder des Körpers liefert. Sie wird in der Tiermedizin häufig eingesetzt, zum Beispiel zur Untersuchung von Kopf, Nase, Wirbelsäule, Lunge oder Gelenken. Viele Tierhalter gehen davon aus, dass für eine CT immer eine Narkose nötig ist – das stimmt jedoch nicht in allen Fällen.
Dank moderner CT-Technik können bestimmte Untersuchungen heute auch bei wachen Tieren durchgeführt werden.
Was ist ein CT und warum ist Ruhe so wichtig?
Ein CT erstellt mithilfe von Röntgenstrahlen viele einzelne Querschnittsbilder, aus denen ein dreidimensionales Bild berechnet wird. Damit diese Bilder aussagekräftig sind, muss das Tier möglichst still liegen. Bewegungen können die Bildqualität verschlechtern (sogenannte Bewegungsartefakte).
Frühere CT-Geräte benötigten relativ lange Aufnahmezeiten, weshalb fast immer eine Narkose erforderlich war. Moderne Hochgeschwindigkeits-CTs können jedoch einzelne Körperregionen in "wenigen Sekunden" scannen (Ohlerth & Scharf, 2007).
Wann ist ein CT ohne Sedierung möglich?
Ein CT bei wachen Tieren ist vor allem dann möglich, wenn:
• das Tier ruhig und kooperativ ist
• nur eine kurze Untersuchung nötig ist
• keine schmerzhafte Lagerung erforderlich ist
• empfindliche Patienten untersucht werden sollen
Besonders gut geeignet sinduntersuchungen des Kopfes, der Nase oder der Nasennebenhöhlen sowie "kurze Thorax-CTs" (z. B. zur Beurteilung der Lunge), da diese sehr schnell durchgeführt werden können (O’Brien & Thrall, 2018).
Welche Vorteile hat ein CT ohne Sedierung oder Narkose?
Ein CT im Wachzustand bietet mehrere Vorteile:
• "Kein Narkoserisiko", besonders wichtig für ältere oder herz-/lungenkranke Tiere
• "Schnellere Erholung", da keine Aufwachphase nötig ist
• "Weniger Medikamente", was den Organismus schont
• "Kürzerer Klinikaufenthalt"
Studien zeigen, dass moderne CT-Untersuchungen bei ausgewählten Fragestellungen auch ohne Sedierung diagnostisch sehr aussagekräftig sein können (Ohlerth et al., 2017).
Gibt es auch Einschränkungen?
Ja. Nicht jedes Tier und nicht jede Fragestellung eignet sich für ein waches CT. Eine Sedierung oder Narkose ist weiterhin notwendig, wenn:
• das Tier sehr ängstlich oder unruhig ist
• Schmerzen eine ruhige Lagerung verhindern
• eine längere oder sehr präzise Untersuchung erforderlich ist
• Kontrastmittel unter kontrollierten Bedingungen gegeben werden muss
Das Wohlbefinden und die Sicherheit des Tieres stehen immer an erster Stelle.
Wie wird ein waches Tier auf das CT vorbereitet?
Für ein CT ohne Sedierung wird das Tier sanft gelagert und von geschultem Personal ruhig gehalten. Tierärztinnen und Tierärzte achten darauf, Stress so gering wie möglich zu halten. In manchen Fällen kann bereits eine ruhige Umgebung oder eine kurze Gewöhnungsphase ausreichen, damit das Tier entspannt bleibt.
Zusammenfassung
Dank moderner Technik ist es heute möglich, bestimmte CT-Untersuchungen auch "bei wachen Tieren" durchzuführen. Dies kann besonders für ältere oder gesundheitlich vorbelastete Tiere eine schonende Alternative zur Narkose sein. Ob ein CT ohne Sedierung sinnvoll ist, entscheidet Ihre Tierärztin oder Ihr Tierarzt individuell – abgestimmt auf Ihr Tier und die diagnostische Fragestellung.
Wenn Ihnen ein CT empfohlen wird, scheuen Sie sich nicht, nachzufragen, ob eine Untersuchung im Wachzustand möglich ist.
Referenzen:
• Ohlerth S, Scharf G. **Computed tomography in small animals – basic principles and clinical applications.** *Veterinary Radiology & Ultrasound*, 2007.
• O’Brien RT, Thrall DE. **Thoracic computed tomography in dogs and cats.** *Veterinary Clinics of North America: Small Animal Practice*, 2018.
• Ohlerth S, Dennler M, Poirier V. **Advances in CT technology and their impact on small animal imaging.** *Veterinary Radiology & Ultrasound*, 2017.